Wie können textile Überschüsse und Retouren zu wertvollen, langlebigen Produkten werden? Co-Lab entwickelt eine offene, designgeleitete Infrastruktur, die textile Materialien länger im Kreislauf hält. So entsteht eine nachhaltige Innovation für die Mode- und Textilindustrie.
Die Mode- und Textilindustrie steht vor einer großen Herausforderung: Millionen Tonnen ungenutzter Überschüsse, Retouren und Verschnitte bleiben oft ohne klare Perspektive, selbst bei hochwertigen Naturmaterialien. Co-Lab setzt genau hier an und entwickelt eine offene, designgeleitete Infrastruktur, die textile Materialien länger im Kreislauf hält, bevor sie recycelt werden und dabei an Qualität verlieren.
Co-Lab versteht Mode als ein komplexes Beziehungssystem, das Mensch, Natur und Industrie miteinander verbindet. Der Ansatz basiert auf der Haltung „Nature First“ und zielt darauf ab, emotionale Langlebigkeit zu fördern. Das bedeutet: Produkte sollen nicht nur funktional sein, sondern auch eine emotionale Bindung schaffen, die ihre Lebensdauer verlängert. Dabei wird die Methode „Design for Seven Seasons“ genutzt, um Remade-Fähigkeit schon im Entwurf zu berücksichtigen.
Im Zentrum der Arbeit von Bricolage steht die Entwicklung praktischer Werkzeuge und Strukturen, die den Wandel in der Modeindustrie unterstützen. Drei miteinander verbundene Bausteine bilden hierfür die Grundlage:
RECONNECTED Software: Dieses digitale Tool dokumentiert Materialflüsse und unterstützt Designer:innen dabei, aus Überschüssen neue Produkte zu entwerfen. Es verbindet digitale Planung mit handwerklicher oder industrieller Umsetzung und schafft Transparenz über jeden Verarbeitungsschritt.
Modulare Prozessarchitektur (Hardware): Diese physische Infrastruktur ermöglicht es, Remade-Workflows nahtlos in bestehende Produktionssysteme zu integrieren.
Offene, kollaborative Standards: Co-Lab fördert den Austausch und die Kooperation zwischen Wiederverkauf, Verarbeitung und Recycling, um Lücken in der textilen Kreislaufwirtschaft zu schließen.
Ein praktisches Beispiel für die Anwendung dieser Infrastruktur ist ihr „Pantoffelprojekt“. Hier werden hochwertige Naturtextilien aus Überschüssen, Retouren und Produktionsresten in langlebige Pantoffeln verwandelt. Diese eignen sich ideal als Testobjekte, da sie kleine Zuschnitte benötigen, Material- und Gebrauchstests im Alltag ermöglichen und Funktionalität mit Design verbinden. So werden Software und Hardware unter realen Bedingungen erprobt – ein wichtiger Schritt hin zu einer skalierbaren Infrastruktur für industrielle Remade-Prozesse.
Co-Lab reagiert auch auf aktuelle gesetzliche Rahmenbedingungen wie die erweiterte Produzentenverantwortung (EPR) und die EU-Strategie für nachhaltige Textilien. Damit unterstützt das Projekt Unternehmen dabei, textile Restströme neu zu denken und nachhaltiger zu wirtschaften.
Was macht Co-Lab besonders?
Mit einem ganzheitlichen, praxisorientierten Ansatz leistet Co-Lab einen wichtigen Beitrag zur Transformation der Modeindustrie – hin zu mehr Nachhaltigkeit, Kreislauffähigkeit und sozialer Innovation.
Henrietta Szakonyi ist Designerin, Dozentin und Social Entrepreneur. Als Initiatorin von Co-Lab by Bricolage HSZ arbeitet sie an systemischen Transformationsprozessen in der Mode, mit dem Fokus, Mode als Beziehungssystem zwischen Mensch und Natur zu verstehen. Über ihr Studio Bricolage entwickelt sie Methoden wie Nature-First Design und Design for Seven Seasons als Werkzeuge für regenerative Gestaltung und zirkuläre Wertschöpfung.
Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Maschinenbau, Softwareentwicklung und sozialer Innovation arbeitet sie daran, textile Überschüsse in langlebige, wertige Produkte zu überführen: offen, kollaborativ und zukunftsorientiert.
Das Team ist Teil des KU Mach-Programms 2025/26. Im Rahmen dessen werden die Köpfe in ihrer ganzheitlichen unternehmerischen Potentialentfaltung durch die gemeinnützige GmbH von Kreatives Unternehmertum gefördert und begleitet.