Was bedeutet es, wirklich regenerativ zu wirtschaften, nicht als Konzept, sondern als gelebte unternehmerische Wirklichkeit?
Diese Frage nahmen 15 Unternehmer:innen und Führungskräfte mit nach Madlitz (Brandenburg) zum Gut&Bösel. Dorthin, wo Benedikt Bösel (Agrarökonom, Gründer und Geschäftsführer von Gut&Bösel und Quereinsteiger in die Landwirtschaft) auf kargem, trockenem Land zeigt, dass Wirtschaften und Ökologie keine Gegensätze sind, sondern einander bedingen können.
Manche Orte sprechen für sich. Gut & Bösel in Brandenburg ist so ein Ort. Auf über 3.000 Hektar kargem, trockenem Land hat Benedikt Bösel etwas gewagt, was viele für unrealistisch hielten: Er erprobt, wie regenerative Landwirtschaft und neue Anbausysteme auf Flächen funktionieren, die zu den niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands gehören und zeigt dabei, dass wirtschaftlicher Erfolg und ökologische Verantwortung keine Gegensätze sein müssen. Gut & Bösel ist Tradition und Innovation zugleich ein lebendiges Reallabor für einen Paradigmenwechsel, der weit über die Landwirtschaft hinausweist. Genau deshalb war es der perfekte Ort für die Inspirations-Werkstatt: Hier lässt sich regeneratives Wirtschaften nicht nur denken, man kann es sehen, spüren und gemeinsam weiterentwickeln. Benedikt Bösel führte die Gruppe persönlich über das weitläufige Gut: vorbei an Agroforststreifen, Kompostfeldern und Weideland, das durch gezielte Bewirtschaftung sichtbar auflebt. Kein Vortrag, sondern ein Gespräch mit dem Boden unter den Füßen. Seine Überzeugung macht dabei Eindruck:
»Landwirtschaft bedeutet für mich Hoffnung. Sie ist der mit Abstand größte Hebel, um die großen Probleme unserer Zeit zu lösen.« (Benedikt Bösel)
Diese Haltung prägte das gesamte Format. Ergänzt wurde sie durch Impulse von Sebastian Fittko von der Initiative Regenerative Marktwirtschaft und Stefan Baumann vom Think Tank Protopia: zwei Vordenker, die den Begriff des regenerativen Wirtschaftens aus der Landwirtschaft heraus in die Unternehmenswelt übersetzen: Was bedeutet es, als Unternehmen nicht nur weniger zu verbrauchen, sondern aktiv Werte zu schaffen: ökologisch, sozial, kulturell? Dazwischen immer wieder: Raum für echten Erfahrungs-Austausch. In kleiner Runde, auf Augenhöhe, mit Unternehmer:innen aus völlig unterschiedlichen Branchen und genau darin lag eine der größten Stärken des Formats.
Benedikt Bösel ist Agrarökonom und Geschäftsführer von Gut&Bösel, einem 3000ha großen Landwirtschafts- und Forstbetrieb eine Stunde östlich von Berlin. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er verschiedene Methoden der regenerativen Landwirtschaft. Das Ziel: Gesunde und widerstandsfähige Ökosysteme aufbauen und verstehen, wie großflächige Landwirtschaft in Zukunft transformiert werden kann. Zu diesen Methoden gehören ganzheitliches Weidemanagement, Kompostierung, syntropischer Agroforst und Waldumbau, sowie die Entwicklung neuer Software und Technik.
Benedikt ist überzeugt: Multifunktionale Landnutzung ist der Schlüssel, um viele der drängendsten Probleme unserer Zeit zu lösen – vom Klimawandel und dem Verlust der Artenvielfalt bis hin zu Hunger und Chancengleichheit.
Um die landwirtschaftliche Arbeit wissenschaftlich begleiten zu können und die Effekte von multifunktionaler Landwirtschaft einschätzen und analysieren zu können, hat Benedikt 2021 die Finck Stiftung gegründet. Diese kooperiert mit verschiedenen hochrangigen Universitäten und Forschungsinstituten.
Er engagiert sich ehrenamtlich bei einer Vielzahl von Initiativen und Vereinen zur Zukunft der Ernährung, Landwirtschaft und des Ländlichen Raums.
Benedikt Bösel wurde mit seinem innovativen Wirken zum Landwirt des Jahres 2022 ernannt.
Der studierte Wirtschaftspsychologe ist strategischer Transformationsforscher für kulturellen Wandel. Mit der von ihm co-gegründeten Agentur Sturm und Drang erforscht und entwickelt er mobilisierende und verbindende Leitnarrative für die Evolution sozialer Systeme. Sein „Cultural Strategies“ Ansatz verfolgt eine Praxis, die wirtschaftliche Transformation als eine kulturelle Geistes- und Verhaltensevolution versteht. In seinen Beratungsprojekten hilft er Unternehmern und Marken sich in verändernden Gesellschafts- und Marktkontexten zu orientieren, neu auszurichten und relevant zu erneuern.
Als Mitinitiator der gemeinnützigen Protopia Gesellschaft experimentiert und lernt er zusammen in einer Community of Practice, wie der regenerative Kulturwandel in die Impact Society gelingen kann.
Sebastian Fittko ist ein versierter Experte in den Bereichen regeneratives Wirtschaften, Transformation und Impact Investing. Zwischen 2003 und 2018 hat er bei renommierten Unternehmen wie der Deutschen Telekom und Innogy/RWE maßgeblich Programme für Innovation, Startup-Kooperationen und Corporate Venture Capital aufgebaut und geleitet. Seit 2018 engagiert er sich für die Förderung einer regenerativen Wirtschaft, unter anderem durch die Gründung der gemeinnützigen Initiative Regenerative Marktwirtschaft e.V. Seit 2023 bekleidet er die Position des zweiten Vorsitzenden der Bundesinitiative Impact Investing. Darüber hinaus gibt er sein umfangreiches Wissen und seine Erfahrungen als Dozent für digitale Technologie und Nachhaltigkeit, Corporate Startup Collaboration sowie Regeneratives Wirtschaften an der ESCP Europe weiter. Zudem unterstützt er Unternehmerfamilien bei der Entwicklung und Implementierung von Leitbildern und Strategien in den Feldern Transformation, Impact Investing und Kooperation mit Start-ups, um nachhaltige und zukunftsfähige Unternehmensstrukturen
zu schaffen.
Die gemeinsame Zeit auf Gut & Bösel hat uns nicht nur neue Perspektiven eröffnet, sondern auch konkrete Denkanstöße geliefert, die weit über das Format hinaus wirken. In intensiven Gesprächen, praxisnahen Einblicken und einem offenen Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmer:innen aus unterschiedlichsten Branchen sind Erkenntnisse entstanden, die wir als Orientierung für ein zukunftsfähiges Unternehmertum mitnehmen:
Regeneratives Wirtschaften ist ein Ansatz für ein ganzheitliches und symbiotisches Wirtschaftssystem, das sich an den Prinzipien der Gerechtigkeit, Freiheit und Ökologie orientiert, und damit ein generationengerechtes und lebensdienliches Wirtschaften ermöglicht.
Beim regenerativen Wirtschaften geht es nicht nur darum den Ressourcenverbrauch zu minimieren, sondern durch proaktive Innovationen und Ko-Kreation neue ökologische und soziale Werte zu schaffen, die langfristig sowohl das Wohl des Planeten als auch das Wohlergehen der Gesellschaft fördern.
Wohlstand sollte nicht mehr nur ausschließlich finanziell gemessen werden, sondern es braucht zukünftig eine ganzheitliche Definition von Wohlstand um verschiedene Formen von Kapital (sozial, intellektuell, kulturell, spirituell, materiell) aktiv zu integrieren und damit neue Tauschlogiken zu etablieren. So können Beiträge von Unternehmen zum Gemeinwohl konkreter messbar gemacht werden und zu einer ganzheitlichen Wertschöpfung beitragen.
Die Integration von “True Cost Accounting“ als Instrument zur Erfassung und Reduktion der realen Umwelt- und Sozialkosten ist ein wesentlicher Schritt, um unternehmerisches Handeln regenerativ und ethisch zu gestalten.
Die langfristige Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens hängt entscheidend von seiner Kultur ab. Eine gezielte Entwicklung dieser Kultur, durch ganzheitliche Narrative und praxisorientierte, regenerative Veränderungen, ist die Kernaufgabe eines regenerativen Unternehmertums.
Die Inspirations-Werkstatt bei Gut & Bösel war eine von vielen. Einmal pro Quartal besuchen wir mit einer exklusiven kleinen Gruppe (max. 15) von Unternehmer:innen Pionierunternehmen, die ganzheitliches Unternehmertum bereits leben. Authentische Einblicke, Austausch auf Augenhöhe und Impulse, die direkt in die eigene Praxis fließen. Teil sein?!