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Die Relevanz der Begegnung.

Warum wir Berührung und Gemeinschaft brauchen.

Um anderen Menschen zu begegnen, berühren wir seit einigen Monaten vermehrt Computer- oder Handybildschirme und Tastaturen. Physisch gebunden an das Zuhause, traten insbesondere in den virtuellen Sphären Potentiale einer neuen Konnektivität zum Vorschein. Was verändert diese Verschiebung menschlicher Begegnungen in’s Digitale? Welche neuen Impulse ziehen wir daraus für das neue Heute?

Digitale Räume wurden mit dem Aufkommen von Covid19 und den damit verbundenen gesellschaftspolitischen Maßnahmen viele neue geöffnet. Der physische Stillstand wurde zum Antrieb digitaler Beschleunigung. Zwischen Online-Konferenzen, E-Mails und digitalen Arbeitswänden wurde rasant viel Bestehendes ergänzt und auch Neues geschaffen. Wir vertiefen seitdem unsere Erfahrungen in einer Fern-Nähe, die virtuell eine andere ist, als wir sie beispielsweise in der Atmosphäre eines großen Büros oder Kaffeehauses erfahren.

Unsere Augen, unsere Ohren und unseren Körper wenden wir gen virtueller Räume. Unsere Hände fahren dabei über TASTaturen und Bildschirmoberflächen. Mit welchem FINGERSPITZENgefühl? Wie beeinflusst die haptische Erfahrung die Prozesse, in denen wir etwas beGREIFEN? Wie verändert sich unsere BEGRIFFsweise, wenn wir unsere Hände, unsere Fingerspitzen, unseren Tastsinn vermehrt anders verwenden?

Im digitalen Raum bewegen wir uns im Zwischenraum von Mensch und Technik, von Realität und Virtualität. Wir begegnen uns nicht von Mensch zu Mensch, sondern von Mensch-zu-Technik-zu-Mensch. Dabei öffnen die digitalen Sphären einen Raum für Nähe, der auch physisch wirkt. Auch auf Distanz ist es Menschen möglich, Empfindungen in uns auszulösen. Doch was ist anders? Macht das Virus die Technik nun WESENtlich?

Blicken wir auf die Generation derjenigen, die von klein auf lernen, ihren Mitmenschen auch virtuell über den Handy- und Computerbildschirm zu begegnen. Wie verschiebt sich dabei das Verständnis der Relation von Nähe und Distanz? In welcher Art und Weise können wir das Besondere im Zwischenmenschlichen um uns herum noch wahrnehmen, wenn wir so viel Begegnung online finden? Wem schenken wir unsere Aufmerksamkeit? Der aufleuchtenden Nachricht auf dem Bildschirm oder unserem Gegenüber in persona? Welches Verständnis von Nähe, Vertrautheit und Bindung entsteht? Die Social Media-Sphären kreieren eine Bindung an das Digitale, die sich vermutlich auch auf unsere realen Bindungen auswirken wird.

Wenn wir nun an die Idee der Resonanz glauben, so teilen wir die Überzeugung, selbst berührt zu werden und andere berühren zu können. Dabei geht es um die Erfahrung der Zwischenräume, die wir in Begegnungen kreieren. Dafür müssen wir uns vielleicht nicht haptisch berühren, doch in die Augen sehen können und die Atmosphäre zwischen unserem Gegenüber und uns spüren – das geht über eine Kamera nur vermeintlich. Wichtig scheint es demzufolge, auch im neuen Heute unser physisches Umfeld bewusst mit allen Sinnen wahrzunehmen – mit dem WESENtlichen, das wir in Kunst, Natur und Menschen sehen, bewusst in Resonanz zu gehen. Die Begegnung in den digitalen Sphären kann zwar ein Gefühl der Gemeinschaft schaffen, wirkt dabei jedoch vielleicht mehr als Ergänzung. Nachhaltig wirksam sind physische Begegnungen – sie sind WESENtlich, verbindlich, langfristig und gleichzeitig in Bewegung. Sie sind nicht abhängig von virtuellen Raumvorgaben, Kameraqualitäten und digitalen Mediatoren, sondern voll‘ Überraschungen, Inspiration, Wärme und erlauben eine ganz bewusste Wahrnehmung des Gegenüber.

Als soziale Wesen sind wir aufeinander angewiesen. Wir brauchen die Weite, die Begegnung, das ZusammenHALTEN. Wilhelm von Humboldt war sich bereits sicher – „Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“ Zwischen all‘ den Unsicherheiten können wir das Jetzt als ein Ereignis erleben, das Gemeinschaft schafft und vielleicht auch auf Distanz spürbarer macht, als bisher. Wir alle erleben diese großen Veränderungen gemeinsam – und auch wenn eine jede und ein jeder sie unterschiedlich wahrnimmt, ist die Wirkung eine verbindende. Dieses Gefühl von Verbindung können wir mit der in physischen Begegnungen entstehenden Resonanz unterstützen. Das schafft eine wohlwollende Offenheit für alles Kommende, die auf dem so eng von Digitalität begleiteten Weg in’s neue Heute WESENtlich ist, menschlich ist. Eine Offenheit, mit der wir vielleicht auch im Unfertigen Vollendung finden können. Für ein gelingendes ErGREIFEN der Zukunft.

Leonie Novotny
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Leonie Novotny

Kuration & Kommunikation

Leonie Novotny widmet sich in ihrem Tun als Autorin und Kuratorin der inneren Schönheit, die sich im WESENskern von Individuen, Familien und Unternehmen findet. Inspiriert durch die Vielfalt der lebendigen Sprache, hält sie diesen Kern für das WESENtliche, das es zu entdecken und für andere in Begegnungen spürbar zu machen gilt. In diesen lässt sich für sie das WESENtliche individuell (er)greifen – das ist für sie die Schönheit, in der wir alle zu einem guten und erfolgreichen Leben finden.

Ihrem Sinn für unkonventionelle Verbindungen folgend, studierte sie Kommunikations- & Kultur­wissen­schaften an der Zeppelin Universität, absolvierte eine Sprecher:innen­ausbildung und ent­wickelte ihren Blick für das WESENtliche im Rahmen einer Ausbildung zum Business-Coach weiter. Heute arbeitet sie zusammen mit einer Handvoll ausgewählter Partner, zu denen auch KU zählt.

Bei KU co-verantwortete Leonie vier Jahre lang neben der inhaltlichen Kuration der Bildungs­formate all das, was KU in die Welt kommuniziert, führt seit Beginn 2022 die neue Generation im Kollektiv an diese Aufgaben heran und wird KU weiterhin projektbasiert als Partnerin verbunden bleiben.

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